Der gute Geist von Manderley

Wietske van Tongeren und Andre Bauer in REBECCA
Ich bin Musicalfan und freue mich Sie kennen zu lernen. Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen, mir einige Fragen zu beantworten. Welche Ausbildung haben Sie und wie sind sie zum ‚Musical‘ gekommen. War es schon immer ihr Wunsch, auf der Bühne zu stehen?
Meine Mutter war Tänzerin, ist noch immer am Theater tätig und feiert demnächst ihr 50-jähriges Jubiläum. Daher bin ich praktisch von Kindheit an im Theater aufgewachsen, habe mit ca. 13 – 14 Jahren begonnen im Chor zu singen und relativ schnell den Wunsch gehabt, dies beruflich zu machen. Ich habe an verschiedenen Hochschulen vorgesungen, eine Aufnahme hat aber nicht sofort geklappt. Dann wurde ich an einem Theater, wo sie mich schon gekannt haben mit 18 im Profi-Chor unter der Bedingung aufgenommen, dass ich innerhalb eines Jahres einen Hochschulstudienplatz bekomme. Das habe ich dann auch geschafft. Das war der Ansporn für mich! Ich wollte immer Musical machen, das Schauspiel Tanz, Gesang vereint und konkrete, lebendige Geschichten auf der Bühne erzählt.
Sie sind sehr talentiert und vielseitig und überzeugten als Kaiser Franz Joseph in ELISABETH ebenso wie als der Leopold in MOZART! oder durch ihre Teilnahme bei den ‚Musical X-mas‘, ‚A Tribute to Bernstein‘ Jesus Christ Superstar etc. Gibt es ein Lieblingsstück oder eine Lieblingsrolle, die Sie unbedingt spielen möchten?
Ja, da gibt es viele Rollen und etliche, die ich gespielt habe, wurden zu Lieblingsrollen. PRODUCERS zum Beispiel interessiert mich auch sehr. Mal sehen, ob es funktioniert. Es ist sicher eine riesige Herausforderung und da wäre ich natürlich gern dabei. Zu den Favoriten zählen aber auch der Frank-N-Furter aus der ROCKY HORROR SHOW‚ Javert aus LES MISÉRABLES oder einige nicht so bekannte Musicals wie SWEENEY TODD.
REBECCA kommt beim Publikum sehr gut an. Es ist ein fesselndes Stück mit wunderbaren DarstellerInnen. Wie gefällt Ihnen ihre aktuelle Rolle als ‚Frank Crawley‘?
Sehr gut. Ein sympathischer Zeitgenosse, das ist eine Rolle, die mir sehr gut liegt.
Ist es schwierig, interessante Rollenangebote zu erhalten?
Es kommt darauf an, was die Theater, auch die Stadttheater anbieten. Ich konzentriere mich wegen meiner Familie auf den Wiener Raum, möchte gerne hier bleiben mit meinem sozialen Umfeld und meinen Freunden. Deswegen ist es nicht so einfach.
MOZART! in der Neuen Flora in Hamburg ist beim Deutschen Publikum nicht so gut angekommen.
Ja, das stimmt. Die Neue Flora, wo ich auch schon gespielt habe, ist ein sehr großes Theater. Die Theater in Wien sind eher intim, das macht sehr viel aus. Außerdem ist das Wiener Publikum kein Durchschnittspublikum. Das Interesse der WienerInnen an den Stücken, den Stoffen und den Schauspielern ist im deutschsprachigen Raum einzigartig.
Dies ist für mich auch mit ein Grund, hier zu bleiben.
Wie bereiten Sie sich auf die Vorstellung vor. Haben Sie Lampenfieber?
Ja, sicher. Ich habe ein Programm, wärme mich mit Qui Gong, den „acht Schätzen“ vor oder während des Einsingens auf. Dies trägt zur Konzentration bei. Spätestens dann, wenn ich mein Kostüm trage, fühle ich mich in meine Rolle hineinversetzt.
Haben Sie Ihren Auftritt schon einmal verpasst oder ihren Text vergessen?
Ja, habe ich. Text vergessen, kommt öfter mal vor. In Essen habe ich als Kaiser Franz Joseph einen Auftritt verpasst. Ich saß in der Garderobe vor dem Fernseher, ca. 20 m von der Bühne entfernt und hörte mein Stichwort. Da bin ich losgesprintet, auf der Bühne hat man mich schon sehnsüchtig erwartet. Kaum war ich auf der Bühne und stand im Scheinwerferlicht, war die Szene aus. Den Auftritt habe ich also nicht total verpasst, ich bin nur ein wenig zu spät auf die Bühne gekommen.
Wie wichtig sind ihnen Fans und das Publikum?
Fans und Publikum sind mir sehr wichtig. Übertriebener Fankult ist aber manchmal schwer zu ertragen. Shows, in denen sich Fans im Publikum befinden, die die Stimmung ‚anheizen‘ sind in Ordnung, aber es sollte nicht nach jeder Szene gekreischt werden.
Ab welchem Zeitpunkt war bei REBECCA einschätzbar, ob es ein Erfolg wird oder nicht?
Es war nicht vorhersehbar, dass es so toll angenommen wird. Mir war erst bei der Generalprobe, als die Zuschauer so „ausgerastet“ sind, klar, dass es ankommt. Das sensationelle Bühnenbild und die spannende Handlung, die einen durch die Geschichte tragen, und natürlich die ausgezeichneten DarstellerInnen tragen zum Erfolg des Stücks bei.
Lesen Sie Kritiken?
Wenn man kritisiert wird hat man schon mal etwas richtig gemacht, denn man wird nur kritisiert wenn man am Ball ist, darum lese ich keine Kritiken und schaue in keine Internetforen. Ich will meinen Job gut machen und finde die Meinung von Menschen, die nicht immer kompetent sind, wenig interessant. Ich finde es wichtig, was der Regisseur zu mir sagt, was meine Abendspiel-Leitung sagt und höre auf die Meinung meiner KollegInnen. Die ist ein wichtiger Input.
Was möchten Sie mit ihrem Beruf als Musicaldarsteller erreichen?
Den Leuten einen schönen Abend bieten. Eine gute Geschichte erzählen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Gesundheit für meine Familie, in Wien zu bleiben und tolle Rollenangebote.
Herr Bauer, ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute für ihre berufliche und private Zukunft!

