Der Fürst von Verona

ROMEO & JULIA
Copyright: VBW / Jean Marie Bottequin.
Ich bin Musicalfan und finde es klasse, dass ROMEO & JULIA so erfolgreich läuft und beim Publikum sehr gut ankommt. Es ist ein vielseitiges Stück mit fetziger, romantischer Musik, tollen Tanzszenen und großartigen gesanglichen Darbietungen. Wie gefällt dir persönlich die Rolle des Fürsten? Ich finde, es super, wie du spielst.
Danke für das Lob! Die Rolle gefällt mir sehr gut. Im Gegensatz zu den anderen, die extrem viel tanzen müssen, ist meine Rolle mit Tanz=0 zu bewerten. Es gibt keine Knie- oder sonstigen Verletzungen. Der Fürst von Verona ist eine sehr charismatische Rolle, es macht ganz einfach Spaß, diese Autorität zu spielen und das ganze Volk um sich zu haben. Natürlich weiß ich, dass es mich nicht wirklich ernst nimmt.
Was ist dein Lieblingslied im Stück?
Das Lied von Julias Vater „Mein liebes Kind“ gefällt mir am besten. Und natürlich meine Songs, ich liebe es sie zu singen.
Welche Ausbildung hast du?
Ich habe die Musicalausbildung des Konservatoriums der Stadt Wien absolviert, „Musikalisches Unterhaltungstheater“ lautet der offizielle Name. Es ist eine sehr umfangreiche Ausbildung, die drei Jahre gedauert hat, es war eine geballte Ladung an neuen Informationen. Es war viel, aber durchaus machbar. Mein ursprünglicher Beruf steht dazu im krassen Gegensatz. Ich habe davor das TGM/Maschinenbau absolviert. Es schadet nicht, eine zusätzliche Ausbildung zu haben. Ich denke, das Technische ist ein guter Ausgleich zum künstlerischen Beruf und ermöglicht mir zu Hause selbst Hand anzulegen.
Wolltest du schon immer Musicaldarsteller werden?
Nein, das hat sich so geben. Es war mein Wunsch, Popsänger, in Richtung Austropop zu werden. Das hat mich immer fasziniert und ich habe damals auch ein paar Lieder geschrieben.
Richtung Falco?
Falco hatte seine eigene geniale Richtung. Ich wollte meine eigene finden. Ich denke, ich werde diesen Sommer endlich mit meiner ersten CD fertig sein. Das erste Musical, das ich gesehen habe war 1985 CATS im THEATER AN DER WIEN. Zum damaligen Zeitpunkt war ich noch jung, musste die Vorstellung besuchen und war nicht wirklich interessiert. Eigentlich ausschlaggebend den Beruf zu ergreifen, war eine Vorstellung von PHANTOM DER OPER. Ich war total fasziniert und habe mich erkundigt, welche Ausbildungsmöglichkeiten es gibt.
Was möchtest du mit deinem Beruf als Musicaldarsteller erreichen?
Ich möchte erreichen, dass das Publikum sich unterhält und mit Freude nach Hause geht. Das ist mein Ziel.
Wie wichtig ist dir das Publikum?
Davon leben wir. Es ist eine neue Herausforderung bei jeder Vorstellung. Die Geschichte kennt jeder, es ist ein wunderbarer Stoff. Bei ROMEO & JULIA kennt sich jeder aus. Jeder hat andere Erwartungen oder hat bereits etwas davon gesehen und ist beeindruckt. Ich war selbst schon bei der ersten Probe beeindruckt, vor allem von den vielen Tanzszenen des Ensembles.
Wie viel Arbeit ist für die Proben einzeln und im Team notwendig?
Ich glaube, dass das bei diesem Musical besonders schwierig war, weil auf der Bühne so viel passiert. Die Darsteller müssen schnell da und schon wieder weg sein. Da muss alles sehr präzise ausgearbeitet sein, das braucht Zeit. Ich glaube wir haben fast 3 Monate geprobt.
Hast du ein Lieblingsstück bzw. eine –rolle, die du unbedingt spielen möchtest?
In der Zwischenzeit gibt es mehrere Lieblingsstücke. Natürlich das PHANTOM DER OPER, durch das ich mit der Ausbildung begonnen habe. Damals wollte ich den Raoul spielen. Das hat sich mittlerweile geändert und ich bin eigentlich ganz zufrieden. Abgesehen von der Vaterrolle privat gibt es einige Lieblingsrollen, die ich bereits spielen durfte z.B. Judas, den ich im Vorjahr in Graz gespielt habe, Ché in EVITA, den ich derzeit in Baden probe. Premiere ist am 11. Februar. Meine Lieblingsrolle ist meist die, die ich gerade spiele. Ab 14. Februar bin ich, ausgenommen die EVITA-Vorstellungen in Baden, wieder bei ROMEO & JULIA als Fürst dabei.
Welche Musik hörst du privat?
Derzeit gefällt mir Michael Bublé und sein Song „Home“ sehr gut, weil ich mit diesem Song private Erinnerungen in Zusammenhang bringe.
Ist es schwierig, interessante Rollenangebote zu erhalten?
Natürlich ist es schwierig, interessante Rollenangebote bzw. Jobs zu erhalten. Heute ist das bei fast allen Berufen der Fall. Man muss sich immer wieder neu bewerben, möchte weiterkommen. Vor Leuten vorsingen, die einen bereits kennen und sich immer neu profilieren, ist heutzutage erwünscht. Aber so ist es nun mal, es gibt ein großes Angebot an Schauspielern und Typen für den Bereich Musical. Es ist schwierig, meistens wird man typgerecht besetzt, aber es wäre auch interessant, konträre Rollen zu spielen. Auf jeden Fall sollte es einem persönlich Spaß machen, das ist das Wichtigste.
ROMEO & JULIA läuft ja noch bis zum Sommer des heurigen Jahres. Hast du schon konkrete Pläne für die Zeit danach?
Ich möchte mich ganz meiner Familie widmen und habe ein schönes Angebot für den Herbst.
Hast du Lampenfieber?
Ja, so ein leichtes ‚Grummeln’ im Bauch – neues Publikum, neue Show, es kann immer etwas passieren. Es kann eine Panne vorkommen. Das Kribbeln ist da und ist wichtig.
Was machst du, wenn du nicht auf der Bühne stehst?
Mit meiner Familie zusammen sein und die freie Zeit genießen.
Was war das erste ‚richtige’ Engagement?
Das war im Metropol ‚Pflanz der Vampire’, da war u.a. Luzia Nistler dabei. Das war meine erste Produktion direkt nach der Schule, dann war ich im Stadttheater Klagenfurt. Meine erste Longrun-Produktion war ELISABETH in Essen.
Hast du schon einmal den Text vergessen?
Bei ROMEO & JULIA habe ich ihn noch nie vergessen, aber in anderen Produktionen ist das schon vorgekommen. Bei einer Vorstellung von ROMEO & JULIA habe ich mal meinen Auftritt verpasst. Als ich meinen Autrittsakkord gehört habe, bin ich noch in der Garderobe gesessen, das Mikro war aber schon an und ich habe laut geflucht. Das war natürlich überall zu hören, der Dirigent dachte, ich hätte mich verletzt und hat unterbrochen. Das war der Albtraum, der angeblich jedem einmal passiert in seiner Karriere.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

