Ana Milva Gomes im Musicalclub-Startreff

Ana Milva Gomes und Ensemble ©VBW Brinkhoff/Mögenburg
Du spielst zurzeit die Rolle der Deloris van Cartier in SISTER ACT im RONACHER. Wie war dein Weg in die Musicalbranche?
Ich wollte immer die Backround-Tänzerin von Janet Jackson werden. *lacht* Ich habe mit klassischem Ballett angefangen, dann habe ich Jazztanz gemacht und dann gab es eine Schule in meinem Heimatort mit einer kleinen Musicalabteilung. Jeden Samstag haben wir vier Stunden lang gesungen, getanzt und gespielt. Das fand ich sehr interessant und ich habe es einfach ausprobiert. Ab den Zeitpunkt habe ich mich in Musical verliebt und so hat es begonnen. Danach habe ich vier Jahre lang eine Musicalausbildung gemacht und dann bin ich nach Amsterdam gezogen wo ich in einer Musicaltheaterakademie drei Jahre lang studiert habe. Ich hatte schon ein paar Auditions gemacht aber während der Ausbildung durfte man keinen Job annehmen. Man muss zuerst den Abschluss machen und dann darf man vorsingen, vorsprechen und einen Job annehmen. Nach dem Studium habe ich für drei verschiedene Musicals vorgesungen.
War waren deine ersten Auditions?
Ich habe dann für MAMMA MIA, KÖNIG DER LÖWEN und Elthon John´s AIDA vorgesungen. KÖNIG DER LÖWEN und MAMMA MIA waren in Holland und AIDA war in Deutschland. Ich war ein großer Fan von AIDA und habe es sicherlich 15 Mal gesehen und mich einfach in den Charakter der Rolle „Nehebka“ verliebt. Es war mir auch egal wo ich die Rolle spielen soll, ich wäre auch nach Japan für diese Rolle gegangen. Ich habe dann in MAMMA MIA die Erstbesetzung der Lisa bekommen, in KÖNIG DER LÖWEN die Zweitbesetzung Nala, Sarabi und Shenzi. Und dann habe ich die Erstbesetzung der Nehebka in AIDA bekommen und die Zweitbesetzung der Titelrolle. Für mich war sofort klar, ich musste unbedingt AIDA machen aber ich konnte kein Wort Deutsch sprechen. Es war mir aber alles egal, ich wollte den Job und so bin ich nach Deutschland gezogen.
Du hast dann für das Musical AIDA begonnen die Sprache Deutsch zu lernen?
Ja, phonetisch. Das ist genauso wie bei SISTER ACT. Ich habe in beiden Musicals sehr viel zu sprechen aber für AIDA konnte ich damals kein Wort Deutsch. Fallweise wusste ich auch nicht was ich gesagt habe, ich habe es nur phonetisch gelernt. Die Betonung war ab und zu falsch, denn Holländisch und Deutsch sind zwar ähnlich aber von der Betonung her ist es ganz anders. Aber das fanden die Leute nicht so schlimm, weil sie die Holländer so niedlich finden.
Wann war dann dein erster Auftritt als Aida?
Zwei Monate nachdem die Show begonnen hatte, war ich dann das erste Mal als Aida auf der Bühne. Das war super. Da habe ich dann zwei Jahre lang in Essen gespielt. Dann gingen wir auf Tour und da habe ich die Erstbesetzung Aida bekommen.
Was waren bis jetzt deine Lieblingsrollen?
Ich dachte schon Aida ist eine geile Rolle. Niemals im Leben hätte ich geglaubt, dass ich wieder so eine neue super Rolle spielen werde. Aber SISTER ACT ist jetzt da – eine großartige Rolle - etwas ganz Anderes. Die Rolle der Aida war sehr anständig aber Deloris ist so was von verrückt. Ich muss ganz ehrlich sagen, Deloris ist auf jeden Fall meine Lieblingsrolle.

©VBW Brinkhoff/Mögenburg
Welche Rolle würdest du noch gerne spielen?
Die Roxy in CHICAGO möchte ich noch gerne spielen und Elphaba in WICKED. Ich habe schon einmal dafür vorgesungen und ich war sehr nah dran. Also das wird irgendwann klappen. Ich als grüne Hexe, wer weiß? *lacht*
Wie hast du von den SISTER ACT Auditions erfahren?
Das war eine lustige Geschichte. Melanie Ortner eine gute Freundin von mir welche zuvor in TANZ DER VAMPIRE die Magda spielte. Sie hat die Ausschreibung für die Auditions gesehen, und mir gemailt. Ich war irgendwie sauer, dass ich die Rolle in Hamburg nicht bekommen habe und wollte deshalb die Audition für Österreich nicht machen. Ich habe mich damals in Hamburg beworben und war unter den letzten sechs Bewerberinnen. Ich war traurig und dachte mir, dass sie mich einfach nicht wollen. Ich dachte mir, ich will nicht mehr vorsingen. Die erste Audition-Runde in Wien war vorbei. Dann wurde ich angerufen und gefragt ob ich nicht doch noch einmal kommen will. Ich habe es mir überlegt bin zu den Auditions gegangen, habe vorgesprochen, vorgesungen und es war eine Katastrophe *lacht*. Ehrlich gesagt war das die schlimmste Audition, die ich je in meinem Leben gehabt habe. Aber genau das was ich auf der Bühne gemacht habe, wollten die sehen. In Hamburg war ich viel zu steif und ich habe eine Mauer rund um mich aufgebaut, das hat mir dann unsere Regisseurin Carline Brouwer später erzählt. Ich war zu ernst. Irgendwie kein Wunder, denn ich habe meistens Rollen gespielt wie Aida, Nala, Kala, welche alle anständig sind. Man muss einfach locker sein und seine wahre Persönlichkeit zu zeigen, so hat es dann geklappt!
Wie waren denn die Auditions?
Ich kam zu den Auditions rein, stand auf der Bühne und war sehr nervös. Die Musik hat begonnen und ich hatte ein richtiges Black-out. Plötzlich habe ich den ganzen Text vergessen. Wenn sie mich gefragt hätten wie ich heiße, hätte ich es glaube ich auch nicht mehr gewusst. Ich habe so gezittert als wäre es die erste Audition. Es war so eigenartig, denn ich kannte viele Leute, lauter Gesichter die ich schon so oft gesehen habe. Ich habe mich auch wohl gefühlt weil ich wusste dass mich viele kennen. Ich habe dann angefangen zu heulen, bin rausgegangen und wollte nicht mehr auf die Bühne gehen. Nach fünf Minuten habe ich es noch einmal versucht. Das Heulen hat mich von sehr viel Druck befreit und ich habe mir vorgenommen, dass ich es schaffe. Ich habe dann zum Singen angefangen, die ersten Sätze gingen noch, dann habe ich einfach *lalalala* gesungen weil mir wieder der Text entfallen ist aber ich habe weitergesungen und dabei etwas ganz besonderes gespürt. Dann kam dieser letzte Ton *singt* „Wie noch nie,….“. Ich weiß nicht wo dieser Ton herkam, weil wenn man geheult hat, ist die Stimme zittrig. Aber der Ton kam raus und ich hab geschwitzt und ich war danach total fertig. Danach habe ich mir gedacht, dass ich nie wieder eine Audition machen werde und jetzt etwas Anständiges lernen muss und etwas anderes studieren gehen sollte. Einen Tag später habe ich einen Anruf mit einer Zusage bekommen und ich dachte wirklich die hätten die falsche Person angerufen. Und ich fragte noch ob sie wirklich mich meinen und mir wurde zugesichert, dass ich die Erstbesetzung der Deloris bekommen habe. Ich habe mich dann wirklich sehr gefreut.
Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Unsere Regisseurin Carline Brouwer hat mir direkt nach der Audition gesagt, dass ich lockerer werden sollte. Sie hat mir geraten, dass ich einfach mal in die Stadt gehen und richtig losfeiern, abschalten und nicht anständig sein soll. Das habe ich auch dann gemacht und das hat aber wirklich geholfen. Es war super!

Sister Act © VBW Brinkhoff/Mögenburg
Hast du Parallelen zu deiner Rolle gefunden?
Ja absolut. Wir haben ziemlich viel gemeinsam. Deloris ist sehr verletzlich und sehr sensibel. Sie ist eigentlich ziemlich verrückt, so wie ich, aber das zeige ich nicht gerne. Mit meinen Freunden kann ich so sein - einfach crazy. Ich sage es immer wieder, eigentlich bin ich genauso wie sie. Ich werde mich zwar nicht so anziehen aber wir haben sehr viel gemeinsam.
Was hältst du von Discomusik?
Discomusik ist super, ich liebe es. Es ist „Gute Laune Musik“. Beim Aufräumen höre ich immer Donna Summer oder Salsa.
Hast du eine Lieblingsszene?
Ja. Wenn sich die Nonnen für mich opfern. Curtis sagt, dass er mich erschießen will und dann stehen alle Schwestern vor mir. Das ist sehr berührend.
Mein Lieblingssong?
„Sister Act“. Das ist mein Solosong im zweiten Akt.
Wie ist es mit so vielen Mädels zusammen zu arbeiten?
Es ist schön, wirklich. Ich dachte auch am Anfang das wird ein bisschen Östrogen pur, aber es ist ganz das Gegenteil. Ich glaube, dass auch diese vielen Altersunterschiede damit zu tun haben. Wir haben ganz viele erwachsene erfahrene Frauen und auch jüngere Mädels welche gerade aus der Schule kommen und wir haben somit ein schönes Gleichgewicht und eine super Stimmung. Es haben sich während den Proben Freundschaften entwickelt, wir haben zusammen gelacht und geheult, das hat uns sehr verbunden.

Copyright: VBW/Brinkhoff-Mögenburg
Hast du schon einmal mit einen deiner jetzigen Bühnenkollegen zusammen gespielt?
Mit Arcangelo habe ich zusammen TARZAN gespielt. Er war Zweitbesetzung Terk und ich war Kala. Mit Drew habe ich BEST OF MUSICALS gemacht, das ist schon sehr lange her. Ich kann mich noch erinnern, wie ich mit Drew gesungen habe. Er hat so eine geile Stimme und singt so aus dem Bauch raus. Ich habe beim Singen meine eigene Stimme nicht mehr gehört weil er so laut war. Mit Thada hab ich eine kleine Tour gemacht. Man trifft die Leute immer wieder in verschiedensten Produktionen.
Du bist jetzt nach Wien gezogen. Warst du davor schon in Wien?
Für BEST OF MUSICALS war ich ein paar Tage in Wien, aber ich habe sehr wenig gesehen. Ich war auch ein paar Mal auf Besuch, jedoch habe ich mir die Stadt bis jetzt noch nicht angesehen. Jetzt habe ich endlich einmal Schloss Schönbrunn gesehen und nächste Woche gehe ich in den Zoo. Ich fühle mich hier in Wien total wohl.
Hast du schon einen Lieblingsort in Wien?
Der Naschmarkt. Der ist so schön. Ich muss so aufpassen, ich könnte jeden Tag beim Naschmarkt etwas essen. Das ist so gemütlich, locker und familiär, das ist schlimm, schlimm, schlimm. *lacht*
SISTER ACT läuft jetzt schon länger als ein Monat. Hat sich etwas verändert? Ist Routine eingekehrt?
Routine würde ich nicht sagen, denn es spielen jetzt auch schon die Zweitbesetzungen auf der Bühne. Das ist plötzlich eine ganz andere Energie, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten. Es macht wirklich Spaß. Es bleibt immer spannend. Die Stimmung ist super, ich freue mich jeden Tag!
Dein Traumurlaubsziel?
Kuba.
Was ist das Verrückteste dass du jemals getan hast?
Das sind zu viele, da kann ich mich gar nicht entscheiden.
Welcher Versuchung kannst du nicht widerstehen?
Schokolade.
Ein Mensch mit dem du gerne einen Abend verbringen möchtest?
Barack Obama.
Musik die dich berührt?
Soulmusic.
Wie baust du Stress ab?
Bikram Yoga und Massagen.
Ein Ort der dich künstlerisch inspiriert?
Die Kapverden.
SISTER ACT ist für dich?
Ein Traum.

