Der neue "Tod"

Máté Kamarás im MUSICALCLUB-Gespräch

ELISABETH - André Bauer (Kronprinz Rudolf), Maya Hakvoort (Elisabeth), Máté Kamarás (Der Tod)
ELISABETH - André Bauer (Kronprinz Rudolf), Maya Hakvoort (Elisabeth), Máté Kamarás (Der Tod)
Copyright: VBW / Jean Marie Bottequin

Du hast den Tod bereits in Ungarn gespielt. Inwieweit unterscheidet sich Deine Darstellung der Rolle in Wien?
Ich bin nach Wien gekommen und musste eigentlich mit allem neu anfangen. Ich habe die Rolle in Wien neu kennen gelernt, man hat mir gezeigt, wie die alten Besetzungen das gemacht haben. Dann haben wir alles irgendwie zusammen geführt und neu bearbeitet.

Kannst du zwischen der Rolle des Todes und deinem Charakter irgendwelche Vergleiche ziehen?
Alles was ich will ist eine Rockband, einen Mikrofonständer und geile Lieder spielen, dann bin ich glücklich. Ich versuche immer alles auf der Bühne, im Sinne der Rolle zu machen. Hier habe ich keinen Mikrofonständer und keine Rockband, so muss ich ein bisschen disziplinierter werden. Aber das macht wahnsinnig viel Spaß, ich liebe diesen Job und ich glaube, dass ist das Wichtigste.

Du wirst in den Medien und vor allem in den Kritiken sehr oft mit Uwe Kröger verglichen. Stört Dich das eigentlich?
Nein, es handelt sich um zwei verschiedene Charaktere und zwei verschiedene Darstellungen vom Tod und auch um eine grundsätzlich andere Idee. In den ersten zwei Probenwochen habe ich kennen gelernt wie Uwe Kröger das gemacht hat und habe das auch teilweise benutzt, weil ich es auch gut gefunden habe. Prinzipiell habe ich aber versucht, einfach etwas Interessantes, Anspruchsvolles aus der Rolle zu machen. Der Vergleich stört mich also überhaupt nicht.

Also hast Du Dir nicht gedacht, Du musst jetzt eine große Last auf Dich nehmen. Uwe Kröger ist der Tod und das war’s?
Nein, das nicht. Auch das ganze Kreativteam war der Meinung, „wir haben ein paar Jahre die Uwe-Version gemacht und jetzt machen wir eine neue“. Als Tod hast du so viele Möglichkeiten, es ist nicht der Uwe-Weg oder mein Weg. Du kannst auch einen dritten, ganz anderen Weg gehen und es wird eine dritte Version gemacht. In Japan spielt eine Frau den Tod, warum auch nicht?

Glaubst Du, dass der Tod eine Wunschvorstellung von Elisabeth ist, oder siehst Du ihn eher als reale Person?
Ich sehe schon auch, dass er eine Wunschvorstellung von Elisabeth ist, sie hat ihn kreiert. Wenn jemand Selbstmord begehen will, dann will er, dann liebt er den Tod. Er denkt, dass jemand wartet und einen in die Arme nehmen und umarmen wird.
Wenn du es so siehst, gibt es einen Tod mit tausend verschiedenen Gesichtern. Elisabeth denkt an ihn, das ist der Grund, warum er hier die ganze Zeit so aussieht. Ja, er ist ihre Wunschvorstellung.

Könntest Du Dir auch vorstellen, eine andere Rolle in ELISABETH zu spielen?
Ja, das würde ich gerne. Lucheni wäre toll, das würde ich gerne. Aber ich glaub vom Charakter her bin ich das nicht. In Ungarn hätte ich auch gerne Rudolf gespielt.

Hast Du Dich mit dem Leben von Elisabeth beschäftigt, Bücher gelesen oder irgendwelche Tourismusorte besucht?
Ja sicher, ich war in Schönbrunn und in der Kapuzinergruft. Aber ich glaube, es ist viel wichtiger sich mit dem Text des Stücks zu beschäftigen. Die Texte von Michael Kunze sind sehr gut gemacht, also hab ich mich sehr viel mit ihnen beschäftigt, nachgedacht, wie das alles zusammen kommt, warum der Tod hier so ist und dort so. Einfach mit Gefühl!

Du bewegst Dich auch öfter in schwindelerregender Höhe. Hast Du nicht Angst, dass etwas passiert?
No risk - no fun, wie man so schön sagt. Aber das sehe ich immer so, nicht nur auf der Bühne. Naja, ich habe mir auch eine Knieverletzung zugezogen. Aber wenn du zu viel Angst und zuviel Frust hast, da wirst du dir weh tun, darauf kannst du Gift nehmen. Auf irgendeine Art und Weise. Wenn du das einfach machst und spürst, dass dich die Energie einfach trägt, dann kann nichts geschehen. Meine Knieverletzung passierte am ersten Abend, an dem ich aufgewärmt habe. Da habe ich mir gedacht: „Heute bin ich schlechter drauf und eigentlich ist dieser Sprung irgendwie gefährlich. Vielleicht sollte ich mich aufwärmen.“ Und gerade an diesem Abend ist es passiert. In meiner Karriere habe ich schon viel gefährlichere Stücke gespielt und immer Glück gehabt. Aber ich habe keine Höhenangst. Ich gehe Klettern und ich liebe eigentlich den Adrenalinkick.

Maya Hakvoort (Elisabeth), Máté Kamarás (Der Tod)
Maya Hakvoort (Elisabeth), Máté Kamarás (Der Tod)
Copyright: VBw / Jean Marie Bottequin

Bist Du eigentlich froh, wieder in Wien spielen zu können, oder wärst Du lieber zu Hause?
Ich bin zu Hause. Das ist das tolle dabei, da ich 1997 bis 2001 dauernd in Wien war. Jetzt nach zwei Jahren bin ich zurückgekommen und fühle mich immer noch wie zu Hause.

Gibt es eigentlich im Lauf Deiner Karriere eine Person, die Dich inspiriert oder beeinflusst hat?
Bei den Regisseuren: Paulus Manker, Regisseur bei F@LCO. Mein Regisseur in Ungarn war toll, natürlich auch Harry Kupfer und auch Roman Polanski hat mich total inspiriert. Und als Darsteller Steve Barton, den ich immer sehr verehrt und einfach genial gefunden habe. Es ist wirklich sehr schade, dass er gestorben ist.

Gibt es in deinem Leben Momente, wo du bereust zum Theater gegangen zu sein?
Nein.

Welches Ziel hast Du Dir für deine Karriere noch gesetzt? Du hast doch alles erreicht, was man sich vorstellen kann.
Ich glaube in diesem Beruf lernt man immer etwas dazu, wenn man kreativ ist. Und ich möchte – was das Theater betrifft – mit kreativen und guten Regisseuren arbeiten können und wertvolle Produktionen machen und Rollen spielen, bei denen ich auch Spaß habe. Was meine persönlichen Pläne betrifft, muss ich noch schauen. Das ist spannend und vieles ist noch offen. Aber die Chance hier eine riesige Rolle auf Deutsch zu spielen, in einem festen Haus ist wieder eine sehr große Weiterentwicklung. Und nach Herbert in TANZ DER VAMPIRE, einer eher kleinen Rolle, ist das die erste deutschsprachige Hauptrolle. Und das macht Spaß! Hoffentlich geht es so weiter.


Danke für das Interview!

Das Interview führte MC-Mitglied E. Drnek, erschienen in den Musicalclub News Nr. 14, Herbst 2003.