Musical auf der Schippe

forbidden ronacher
Die Premiere von FORBIDDEN RONACHER steht vor der Tür. Welche Geschichte erwartet uns bei dem Stück?
Hannes Muik: FORBIDDEN RONACHER ist eine Persiflage auf die gesamte Theater- und Musicalszene und das Ronacher, dessen Eröffnung sich ja schon eine Weile hinzieht und nun auf´s Korn genommen wird. Im Stück wird das Ronacher zu einem Altersheim umfunktioniert, in dem frühere Musicaldarsteller residieren und ihren Lebensabend verbringen. Das Lustige am Stück ist, dass junge Darsteller alte Menschen spielen und Dinge tun, die Alte normalerweise gar nicht mehr tun können.
Was ist das Besondere am Stück?
Werner Sobotka: Wir betrachten die Theater- und Musicalszene sehr ironisch und persiflieren gewisse Archetypen, die immer wieder vorkommen. Diese Archetypen sind z.B. die Diva, die ewig Zweite, der Schwule und der Regisseur. Charaktere, die nicht nur in der Künstlerszene, sondern quasi überall vorkommen, übertragen auf das Theatermilieu. Das Stück hat auf jeden Fall Revuecharakter und räumt sehr pointiert mit vielen Vorurteilen auf.
Wie ist das Konzept zu FORBIDDEN RONACHER entstanden?
Hannes Muik: Kathi Zechner, die Intendantin der VBW, ist vor ca. einem Jahr auf Werner und mich zugekommen und hat uns die Idee dazu vorgestellt. Ich war davon sofort begeistert und hab begonnen ein Konzept zu entwerfen und dies dann gemeinsam mit einem kleinen Team zu konkretisieren.
Wie kann man sich den Prozess der Konzeptionierung speziell bei diesem Stück vorstellen?
Hannes Muik:Das Stück entsteht natürlich nicht gleich von A bis Z, ohne dass es umgeschrieben wird. Man kreiert Ideen, die dann wieder verworfen werden und lässt daraus neue entstehen, ohne aus den Augen zu verlieren, was im Sinne des Stückes ist. Generell muss die Atmosphäre und Energie eines Stückes klar sein, damit etwas reifen kann. Bei FORBIDDEN RONACHER wurde ich noch dazu mit einer fixen Idee konfrontiert, die ich auf´s Papier bringen musste. Das ist noch einmal etwas Anderes wie wenn man selbst etwas ganz Neues kreiert.
Ab wann hattest du konkrete Vorstellungen von der Besetzung?
Hannes Muik:Ich hab mir ganz zu Beginn schon Personen als Vorlage hergenommen. Aus diesen wurden dann aber ganz andere Darsteller, weil sich die Ideen und somit die Charaktere ja auch weiterentwickeln und am Ende nicht mehr mit den Vorstellungen am Anfang zusammen passen.
Wie bist du jetzt als Autor zufrieden mit der Entwicklung des Stücks, wenn du dir die Proben ansiehst?
MuikIch bin bei FORBIDDEN RONACHER wirklich sehr zufrieden und positiv überrascht, was nun aus meinem Stück geworden ist. Als Autor übergibt man dem Regisseur ein Werk, der es dann umsetzen muss und das läuft hier wirklich fantastisch. Prinzipiell ist es für mich aber eher absurd, ein Buch zu schreiben und erst dann die Darsteller dazu zu holen, weil sich vieles erst ergibt, wenn man mit den Personen daran arbeitet. Die Sprache entwickelt sich oft auch erst aus einer Situation heraus.
Carin Filipčić, Sigrid Hauser und Anette Wimmer
Auf welche Musik dürfen wir uns bei FORBIDDEN RONACHER freuen?
Sobotka:Ganz im Sinne einer Persiflage greifen wir hier auf Lieder zurück, die man bereits kennt, sich aber in einer völlig anderen Situation als der ursprünglichen wieder finden. Das Publikum darf also nationale wie internationale Musicalmelodien, Popmusik und Schlager erwarten – sehr viele bekannte Ohrwürmer.
An welches Publikum richtet sich FORBIDDEN RONACHER?
Werner Sobotka: Genau das ist das Besondere am Stück. Wir richten uns nicht an Insider, die ein gewisses Fachwissen mitbringen müssen, um die Pointen zu verstehen wie damals bei „Forbidden Musical“. Auch wenn man kein einziges Musical oder Theaterstück gesehen hat, wird man hier auf seine Rechnung kommen, da das Stück mit Vorurteilen spielt, die um die Szene herum kreisen. Alles, was dem Musical „vorgeworfen“ wird, wird man hier wieder finden.
Wie kam´s denn dazu, dass ihr beide nun vorwiegend als Autor oder Regisseur im Hintergrund eines Stücks arbeitet?
Hannes Muik: Mir ist nach meiner ersten großen Hauptrolle aufgefallen, dass mir besonders die kreative Phase der Probearbeit großen Spaß bereitet. Also das gemeinsame Gestalten, das Verändern und Entwickeln eines Stücks, was mich dazu bewegt hat, mehr in diesem Prozess tätig zu werden. Aktuell stehe ich aber selbst wieder seit einiger Zeit auf der Bühne und genieße das auch sehr.
Werner Sobotka: Bei mir hat sich das durch einen Zufall ergeben, wo ich als Regisseur eingesprungen bin und gemerkt habe, wie sehr mir das gefallen hat. Ich finde mich selbst auch als Regisseur besserer als als Darsteller und bereite mich immer sehr intensiv auf neue Stücke vor. Bei FORBIDDEN RONACHER war Ende letzten Jahres diese intensive Vorbereitungsphase, wo wir sehr gründlich daran gearbeitet haben und mit dem Team immer wieder zusammengekommen sind, um unsere Ideen in die Tat umzusetzen.
Bist du nervös vor dem 30. März – der Premiere von FORBIDDEN RONACHER?
Hannes Muik: Auf jeden Fall. Ich bin eigentlich immer aufgeregt vor dem Neuen und bin froh, dass das noch so ist. Man weiß ja nie, was dann wirklich aus einem Stück wird, und es ist jedes Mal anders, aber ich freue mich auch schon sehr darauf.
Wie hat sich eure künstlerische Laufbahn denn ergeben?
Werner Sobotka: Für mich war es seit meiner Kindheit klar, dass ich diesen Beruf des Künstlers ergreifen wollte. Mit 16 wurden die „Hektiker“ gegründet, die sich bereits in den ersten Jahren so gut entwickelt haben, dass es viel zu schade gewesen wäre, dies als „Jugendstreich“ abzutun. Nach meiner Musicalausbildung am THEATER AN DER WIEN hat sich bei mir aber eher das Inszenieren als Berufung heraus kristallisiert und so hat eines das andere ergeben. Ich arbeite natürlich nach wie vor selbst auf der Bühne, aber das Inszenieren macht mir einfach am meisten Spaß.
Hannes Muik:Bei mir war ein Workshop in Graz ausschlaggebend für meine Laufbahn, weil mich damals jemand konkret darauf angesprochen habe, ob ich es mir vorstellen könnte, diesen Weg zu gehen. Das hat etwas ausgelöst, das vermutlich schon in mir geschlummert hat. Ein großer Traum von mir war es z.B. immer, am RAIMUND THEATER zu spielen. Nach meiner Hauptrolle in JOSEPH bin ich dann eher in den Hintergrund getreten und jetzt stehe ich seit zwei Jahren wieder auf der Bühne.
Wie sieht bei euch die Planung für die nächsten Jahre aus?
Sobotka:Ich werde nach FORBIDDEN RONACHER wieder an den Kammerspielen spielen, in Haag Regie führen und eine Wiederaufnahme eines Stücks am Simpl steht am Plan. Bis jetzt hatte ich das Glück, dass sich immer tolle Dinge für mich ergeben haben und ich seit Beginn meiner Laufbahn immer Spaß an meiner Arbeit hatte.
Hannes Muik: Ich spiele aktuell in JESUS CHRIST SUPERSTAR in Klagenfurt, werde beim Simpl Regie führen und spiele dann in der WEST SIDE STORY Es gibt aber noch vieles, das ich ausprobieren möchte. Wichtig ist mir, dass ich authentisch bleibe und ich mich nicht vor Neuem verschließe, sonst kann ich als Künstler nicht weiterkommen.
Vielen Dank für das Gespräch und Toi, Toi, Toi für FORBIDDEN RONACHER!

