F@lco Cybershow Startreff

Regisseur Paulus Manker im MUSICALCLUB-Gespräch

FALCO - A CYBERSHOW
FALCO - A CYBERSHOW

Von 1. bis 30. April wird das RONACHER auf den Kopf gestellt. F@LCO - A CYBERSHOW bringt den Besuchern ein völlig neuartiges Theatererlebnis. Die Idee dazu wurde von den VBW an mich herangetragen erzählt Paulus Manker, Regisseur der multimedia show, da ich Hans Hölzel ein bißchen gekannt habe und wir uns gegenseitig geschätzt haben, war ich sofort dafür zu haben. Auch wenn Manker von Anfang an klarstellte kein Musical machen zu wollen, denn dafür sei er der Falsche. Aber ein Musical war gar nicht vorgesehen, man wollte was Neues und was Neues, das könnt ihr von mir haben“ so Paulus Manker selbstbewußt.

Musicals sind Märchen für Erwachsene, F@LCO - A CYBERSHOW ähnelt aber eher einem Rockkonzert. Im Ensemble sind daher kaum echte Musicalleute zu finden. Eine wilde Truppe wurde eigens zusammengestellt. André Eisermann, bekannt aus dem Film Schlafes Bruder, ist Hans Hölzel, mit ihm auf der Bühne schillernde Persönlichkeiten wie die österreichischen Poplegende Hansi Lang, Roman Gregory von Alkbottle und Gregory von Stahlhammer. Sie alle sind mit neuen und eigenständigen Versionen der bekanntesten FALCO-Hits präsent. Leichenfledderei an Hans Hölzel betreiben wir sicher nicht, betont Paulus Manker. Als Co-Produzent fungiert schließlich Andreas Egger, offizieller Falco-Nachlaßverwalter, musikalisch betreut wird das Projekt von Thomas Rabitsch, dem langjährigen Falco-Bandleader.

Der Theaterabend soll - ganz im Stil eines Rockkonzerts - schon unter ungewohnten Bedingungen beginnen. Das auch in den Publikumsbereichen stark veränderte Ronacher ist schon eine Stunde vorher geöffnet, man kann herumgehen, etwas trinken, DJ Musik hören. Es gibt einen gleitenden Übergang, es wird nicht plötzlich dunkel und der Vorhang geht hoch. Auch nach der Show kann man länger bleiben, konsumieren, Musik hören. Paulus Manker hatte zuletzt mit ALMA – A SHOW BIZ ANS ENDE, einem Theaterprojekt über Alma Mahler-Werfel in den Räumen des Sanatorium Purkersdorf Aufsehen erregt. Bei ALMA hatte der Zuschauer die Möglichkeit aus mehreren gleichzeitig ablaufenden Handlungsstränge auszuwählen, selbst zu entscheiden welchen Teil der Geschichte er sehen will. Mit dem Nachfolgeprojekt F@LCO begeben wir uns erneut auf die Suche nach neuen Theaterräumen und neuen Freiheiten für das Publikum. Das Ronacher ist für Paulus Manker eine alte Welt der Vergangenheit, in der wir uns agressiv, aber nicht feindlich breit gemacht haben.

Die Entscheidung wie man den Abend gestalten und die Show erleben will, passiert schon beim Kauf der Karten,
bringt Paulus Manker die Idee auf den Punkt. Es gab in Hans Hölzels Nachlaß Pläne für eine Tournee, bei der ein neues Raumkonzept realisiert werden sollte, die sogenannte dance machine, das war eine geistige aber auch eine architektonische Geschichte. Der ganze Abend hätte eher eine Art Clubbing werden sollen, der Höhepunkt des Abends wäre ein Liveauftritt von Falco selber gewesen. Die in diesem Konzept vorgesehenen drei Stege von der Bühne ins Publikum hat man für die Cybershow in ein Internet verwandelt. Ausgangspunkt des Stücks, das der israelische Autor Joshua Sobol, ein langjährige Partner bei veschiedenen Theaterprojekten, unter Mithilfe seines Sohnen Yahil, eines israelsichen Rockstars, verfasst hat, ist die Kunstfigur F@LCO Ein virtuelles Geschöpf , ein Golem, wie wir das genannt haben, der in den 80er Jahren entstanden ist, mit dem Wunsch, Erfolg, zu haben, Geld zu haben, Mädels zu haben. Ein fescher, virtueller Rockstar, für den der Hans Hölzel seine Seele verkauft. Aber was bei so einem Monster immer passiert, passiert auch hier - es wendet sich gegen seinen Schöpfer. Es ist der Kampf dieses Menschen Hans Hölzel gegen diesen Golem, der ihm das Leben schwer macht und ihn quasi an die Wand drückt. Dieser F@lco existiert nur in einer Welt von Screens, Monitoren und Laserprojektionen.

Gemeinsam mit Bühnenbildner Hans Hoffer hat man ein Konzeption für eine Art mobiles Rockkonzert kreiert, für das wir im Ronacher den idealen Raum gefunden haben, das aber durchaus auch auf Reisen gehen kann, das man in jeder Stadt in jedem Zelt aufbauen kann.
Zentrales Element ist dieses @, ein Catwalk, eben wie bei einem Rockkonzert, das eine Nähe schaffen will, die es am Theater heutzutage nicht gibt. Was nicht immer so war,
erzählt Paulus Manker im Rahmen eines theatergeschichtlichen Exkurses, die Sehnsucht nach dem betrogen werden, hat im Barock begonnen und durchaus gut funktioniert. Im griechischen Theater sah das aber ganz anders aus. Auch bei Shakespear gibt es ja die „groundlings“, die um die Bühne stehen und oben in den Logen die „feinen Leute“. Für den Parkettbereich des Ronacher gibt es entsprechende Dance Machine Tickets, da kann man sich bewegen kann man herumgehen, konsumieren, Clubbingatmospähre genießen. Also alles was sie sonst im Theater nicht tun können. Man muß sich also einbinden in die Show, man wird mitmachen können und auch aufgefordert sein mitzumachen. Wer in die Logen will, also sich nicht „dreckig“ machen will, muß natürlich mehr zahlen. Der gibt sich den Untergang von der Ferne, wie beim Opernball.

Auf die eigentliche Bühne des Ronacher wird aber nicht verzichtet. Sie wird als Zitatenraum, als virtueller Raum genutzt. Aus ihm fährt ein Wagen mit der Live-Band geradewegs ins Publikum, wobei der Wagen, eine Art Zwischending zwischen Panzer und Kleinod ist, geschlossen sein kann oder sich zum Falken verwandelt, wenn sich die zwei Flügel öffnen. Rund um den @ Steg sind 30 Monitore angebracht, dazu Leinwände, Splitterleinwände und sogar ein „Waterscreen“, auf den ein fächerartiger Wasserstrahl nach oben gesprüht werden kann. Projektionen aus vier Richtungen bringen Bewegung auf diese Flächen. Falco selbst ist schwer zu fassen, er ist im Internet, im cyberspace, es gibt nur einen Moment wo Hans und Falco zusammen finden. Das Ganze ist ein Experiment auch für uns. Wir müssen herausfinden wie es funktioniert. Spannung und ein rundum ungewohntes Theatererlebnis ist garantiert.

Das Interview mit Paulus Manker ist in der Musical Club News Nr. 2, Februar 2000 erschienen.