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SISTER ACT ab Herbst in Wien
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Die LIVE CD aus dem RAIMUND THEATER
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CASPAR RICHTER im Musicalclub-Startreff

Caspar Richter und das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien (© VBW, A.Wulz)
Sie sind seit 1987 Musikdirektor der VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN, haben große Spuren hinterlassen. Sie haben zahlreiche Musicalproduktionen als musikalischer Leiter begleitet. Können Sie sich noch erinnern wie viele das waren?
CASPAR RICHTER: Mitgezählt habe ich nicht. Aber ich kann mich an jedes Stück erinnern.
Aber das ist auch ganz klar. Ein Musical spielt man mindestens ein Jahr und das heftet sich richtig in Körper und Geist. Man ist ja auch mit Herz und Seele dabei.
Wie kamen Sie zu den VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN?
CASPAR RICHTER: Ich habe ja praktisch die VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN mitgegründet. Ich bin sozusagen das letzte Mitglied der Gründungsmannschaft. Der damalige Intendant des THEATER AN DER WIEN Prof. Weck war damals sehr erfolgreich mit CATS. Aufgrund des großen Erfolges hat man ihm die zwei anderen Häuser RAIMUND THEATER und RONACHER auch anvertraut.
Ich bin nach Wien gekommen, war zuerst Dirigent an der Staatsoper, Lorin Maazel war mein Chef. Ich habe damals schon in Brünn als ständiger Gastdirigent der Staatsphilharmonie sehr viel gearbeitet. Ich war damals auch auf dem Weg nach Brünn um die letzte Symphonie von Gustav Mahler zu dirigieren – also etwas ganz anderes – als ich Peter Weck traf. Peter Weck bot mir den Job als Musikalischer Leiter an. Ich war erstmal platt, es kam überraschend. Ich musste mir das überlegen, ich fuhr nach Brünn und dirigierte das Konzert. Kam sehr euphorisch zurück nach Wien, da es sehr erfolgreich war. In dieser Euphorie und durch die Bestärkung meiner Frau habe ich zugesagt. Mein erstes Stück war A CHORUS LINE im RAIMUND THEATER.
Sie kommen ja eigentlich aus dem Genre Oper. Was ist der Unterschied zwischen einem Symphonieorchester und einem Musicalorchester und was zeichnet das jeweilige Orchester aus?
CASPAR RICHTER: Da gibt es schon gewaltige Unterschiede, schon alleine durch das Metier. Oper und Musical haben aber doch vieles gemeinsam – beides ist Musiktheater und beides braucht eine sehr hohe Perfektion und Genauigkeit. Das war immer mein Anspruch! Ich habe einen hohen künstlerischen Anspruch. Ich habe ein neues (Musical-) Orchester aufgebaut, meine größte Aufgabe damals. Es gab eigentlich kein Orchester, nur ein paar Musiker die CATS gespielt haben. Ich hatte schon ein Gefühl für die Musik des Genre Musicals – während meines Studiums habe ich sehr viel mit Musicaldarstellern zusammengearbeitet und ich habe mir mein Studium als Barpianist verdient. Die „leichte Muse“ hat mir immer Spaß gemacht. Als Pfarrerssohn habe ich erst Orgel studiert. Ich bin mit allen Wassern gewaschen.
Das größte Kompliment habe ich von Harold Faltermeyer bekommen, als wir WAKE UP gemacht haben: „Du alte Rocksau“, das war für mich ein Kompliment!

Caspar Richter
Wo haben Sie die MusikerInnen „gecastest“?
CASPAR RICHTER: Wir haben ein Vorspielen organisiert. Es war ausgeschrieben in den verschiedenen Musik-Fachzeitschriften. Ganz junge Leute kamen damals zum Vorspielen. Der 19-jährige Niki Friesenbichler hat vorgespielt und sofort die Stelle bekommen, er ist heute der 1. Trompeter unseres VBW-Orchesters. Es gab viele Musiker die damals angefangen haben und heute noch hier spielen.
Die Stimmung im Orchester ist somit sehr gut, wenn die Fluktuation der Musiker so gering ist?
CASPAR RICHTER: Ich habe sehr viel verlangt und war sicherlich auch manchmal sehr unausstehlich (lacht). 23 Jahre – das ist eine ganze Generation! Es ist mein längster Job den ich je hatte. Ich fühle mich jung genug noch mal einen Wechsel anzutreten!
Was ist Ihr nächster Schritt?
CASPAR RICHTER: Ich gehe jetzt in die Stadt die mich schon immer begleitet hat – in die Tschechische Republik nach Brünn und werde dort musikalischer Leiter der Staatsoper Brünn. Es ist eine wirklich tolle Stadt, die zweitgrößte der Tschechischen Republik mit einem sehr regen Musik- und Theaterleben. Eine Nationaloper, das alte Stadttheater und ein Barocktheater.
Welche Musik wird dort gespielt?
CASPAR RICHTER: Vor allem Oper und auch Operette. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf zeitgenössische Musik legen. Es ist mir ein Anliegen junge Komponisten zu fördern und das Publikum mit neuen Dingen zu konfrontieren.
23 Jahre Musical, 23 Jahre VEREINIGTE BÜHNEN WIEN – ein Rückblick Ihrer Highlights.
CASPAR RICHTER: Musical ist populäre Kunst, aber man sollte doch immer einen Schritt weitergehen. Wir haben ja sehr viele Uraufführungen gemacht. Mein großes Erlebnis war LES MISERABLES, die deutsche Erstaufführung. Die VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN waren DAS Musicalhaus in Europa, das die deutschen Erstaufführungen machte. Wir haben den Bann gebrochen. LES MISERABLES im RAIMUND THEATER war gigantisch, eine ganz neue Art von Musical, eine herzbewegende Geschichte die unter die Haut ging!
Marcel Prawy sagte damals „Das ist die neue Volksoper“. 3 Monate später hatte PHANTOM DER OPER im Theater an der Wien Premiere. Das war auch toll! Es lief insgesamt 5 Jahre!
Dann kam die Idee, die einzig Richtige für unser Haus – die Kreation von Eigenproduktionen.
1990 FREUDIANA als erste Eigenproduktion. Ein ganz toller Wiener Stoff, dieses Stück gehört einfach hierher. 1992 kam ELISABETH – DER Hit. Unglaublich, dass die Kritiken damals grauenvoll waren.
Wir haben aber auch eine Oper gemacht: TULIFANT von Gottfried von Einem im RONACHER. Den Orchestergraben mussten wir erst „ausschaufeln“. (lacht)
Ich wollte nach 6 Jahren etwas anderes. Ich war auch ein halbes Jahr weg und man hatte mich als Supervisor von ELISABETH zurückgeholt. 1995 kam DIE SCHÖNE UND DAS BIEST ins Wiener RAIMUND THEATER. Ich bin zu zu Rudi Klausnitzer gegangen und sagte, dass mich das Stück interessiert und ob er schon einen musikalischen Leiter hätte und er meinte „Nein habe ich nicht und eigentlich eine gute Idee“. Dann war ich wieder dabei!
2009 hatte der VBW-Direktor Thomas Drozda eine tolle Idee – am Konzert der VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN im Rahmen des Donauinselfestes auch ein paar Opernstücke zu spielen. Ich habe das sofort in die Tat umgesetzt, das Publikum hat das mitgemacht! Die Mischung Oper und Musical hat funktioniert.

Musical Forever 2 ©VBW, Rolf Bock
Sie proben gerade für Ihr Abschiedskonzert bei den VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN. Wie fühlen Sie sich, kommt Wehmut auf?
CASPAR RICHTER: Ich darf jetzt nochmal so richtig zuschlagen. Es ist ein ganz spezielles Programm, so etwas hat es glaube ich noch nicht gegeben. Ich spiele durch mein ganzes Musicalleben und auch Stücke, die ich schon immer spielen wollte. Wenn ich alles spielen würde was ich möchte, dann würde das Konzert fünf Stunden dauern (lacht). Das ist glaube ich meine Spezialität, ganze Stücke in fünf Minuten zu spielen. Wir haben ganz tolle Arrangeure und Komponisten im Orchester die das ermöglichen.
Wie hat sich für Sie persönlich das Genre Musical in den letzten zwei Jahrzehnten weiterentwickelt?
CASPAR RICHTER: Die ersten Musicals waren ein großes Abenteuer. Ich wünsche mir, dass dies so weitergeht. Nicht immer Musik zu spielen, die das Publikum erwartet.
Die VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN sind der letzte Leuchtturm in der Masse von Durchschnittlichkeit.
Was sind Ihre Wünsche für Ihre neue Tätigkeit, was haben Sie noch vor?
CASPAR RICHTER: Ich wünsche mir Kraft für meine neue Aufgabe – die Nationaloper in Brünn, ein wirklicher Full-Time-Job, eine große Aufgabe! Das Orchester hat 95 MusikerInnen. Wir haben einen großartigen Opernchor, sehr viele Solisten.
Das Programm möchte ich modernisieren: ich möchte mehr tschechische Komponisten, wie, Tschechow und Smetana, spielen. Und ich möchte die Jugend- und Kinderarbeit forcieren. Ich werde neue Konzertserien gründen. Aufgaben gibt es genug.
Ich dirigiere noch bis zu Sommerpause (3. Juli) TANZ DER VAMPIRE und dann klappe ich die Partitur zu und schlage meine Zelte in Brünn auf. Jetzt mache ich aber noch Urlaub!
Wohin geht es?
CASPAR RICHTER: Weiß ich noch nicht, ich bin kein Urlaubsplaner. Vielleicht für drei Wochen nach Indien. Ich habe eine schöne Wohnung in der Steiermark am Land, vielleicht ein paar Tage Italien – nach Triest.
Vielen Dank für das Interview!
Das MUSICALCLUB-Team wünscht Ihnen alles Gute für Ihre neue Aufgabe, erholen Sie sich gut in Ihrem Urlaub!

