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DREW SARICH im Musicalclub-Startreff

Die größte Übung für die Rolle war Stille

Drew Sarich (Graf von Krolock), Marjan Shaki (Sarah)
Drew Sarich (Graf von Krolock), Marjan Shaki (Sarah)
Copyright: VBW / Rolf Bock

Du hattest ja vor kurzem Deine grandiose Premiere als Graf von Krolock und ganz tolle Kritiken bekommen. Gratulation! Wie bist du an die Rolle Graf von Krolock herangegangen? Hast Du Dir Vorstellungen angeschaut mit dem Kollegen Thomas Borchert, Alex Di Capri oder Steve Barton oder bist Du total unbelastet an die Rolle heran gegangen?
Ich habe sämtliche Youtube Clips von Steve Barton gesehen, weil ich ihn verpasst habe. Er ist von uns gegangen, bevor ich zu TANZ DER VAMPIRE gekommen bin. Ich habe eine Vorstellung von Thomas angeschaut und dann habe ich mir überlegt was ich dazu beitragen kann. Ich weiß, dass ich stimmlich als auch körperlich anders bin und ich versuche einen kleinen Stempel beizugeben, ohne dass es dann nach mir „stinkt“. Die größte Übung für die Rolle war Stille, so wenig wie möglich zu tun. Weil Humor, Kraft, Sexualität und Gefahr bestehen alle aus einer gewissen Stimmung. Ich habe dann sehr viel mit Regisseur Cornelius Baltus und unserem Abendspielleiter Fritz Schmid gearbeitet. Sie haben mir oft gesagt: „Mach weniger, lass die anderen arbeiten.“ Das ist doch schön!

Was ist für Dich persönlich der besondere Reiz an dieser Rolle?
Ich liebe Vampire. Ich liebe sie! Es geht um Sexualität, es geht um Brutalität, es geht um Romantik, ich mag Rollen die eine große Show irgendwie anbieten um einen kleinen weichen verletzlichen Kern zu verbergen. Das ist häufig im Krolock, häufig im Rudolf, häufig in sämtlichen schönen Männerrollen, diese so stark wie möglich zu spielen und zu verstecken, dass sie eigentlich ziemlich zerbrechlich sind.

Was ist die größere Herausforderung für Dich? Eine komplett neue Rolle neu zu erschaffen wie zum Beispiel Kronprinz Rudolf oder eine vorgegebene Rolle des Grafen zu übernehmen und dann die eigene persönliche Note reinzubringen?
Ich finde es auf jeden Fall schwieriger, in eine schon entstehende Maschine einzusteigen, weil man natürlich seine eigenen Vorstellungen und Erwartungen hat. Das gibt viele Diskussionen und ich tu mir insofern sehr schwer mit Regeln. Ich mag keine Regeln. Ich bin jemand der gerne in eine Diskussion geht, solange mir jemand einen logischen, spielbaren Grund vorschlagen kann und da hatte ich den Luxus, dass Cornelius Baltus da war und ich mit ihm oft genug reden konnte. Cornelius war offen genug zu sagen: „Wenn du etwas Neues machen willst, mache es aber so neu, dass ich es mir überhaupt nicht anders vorstellen kann, dass ich sage WOW.“

Ich mag Rollen die eine große Show anbieten, um einen kleinen, weichen, verletzlichen Kern zu verbergen

Drew Sarich (Graf von Krolock), Marjan Shaki (Sarah)
Drew Sarich (Graf von Krolock), Marjan Shaki (Sarah)
Copyright: VBW / Nathalie Bauer

Inwieweit haben die Rolle des Rudolf und die des Grafen eine Ähnlichkeit?
Rudolf ist jemand, der versucht etwas aus seinem Leben zu machen und Graf von Krolock ist jemand der ein ewiges Leben hat und kriegt es nicht hin, die einfachen Dinge zu erledigen. Eigentlich sind sie beide Junkies. Da ist die Brücke zwischen den beiden Rollen für mich. Die sind Junkies die das Laster nicht wegbekommen und Rudolf gibt auf. Krolock akzeptiert seine Schwächen und Fehler und insofern ist er am Ende Sieger, weil er sagt: „Ich bin so, ich werde noch 500 Jahre leben und ich werde immer noch so sein.“

Du hast in den letzte Monaten unglaublich viel gemacht. Viele Konzerte, Musical bist nach Ägypten, einfach toll. All das ziemlich gleichzeitig und nebeneinander. Das ist sehr textintensiv. Wie machst Du das?
Ich habe eine ziemlich gute Festplatte. Sobald ich eine Bewegung zum Text verbinden kann, dann bleibt es drinnen und solange die Stücke und die Texte spielbar sind. Rollen wie Rudolf oder Krolock sind alle so genial geschrieben, dass man eigentlich nichts machen muss, außer Text präsentieren und die werden locker 70% der Arbeit machen. Das ist dann schön. Ich gehe den Text immer wieder durch. Wenn ich hier vor der Vorstellung in der Garderobe sitze, dann checke ich einfach meine Texte wieder.

Wie sportlich muss man für die Rolle sein wie zum Beispiel beim Abgang nach „Unstillbare Gier“? Die Grabwand schaut von vorne so hoch aus, Du bleibst so lange auf der Grabwandstehen.....! Mir bleibt jedes Mal das Herz stehen, wenn ich das sehe.
Das liebe ich! Jemand hat mir am ersten Tag wo wir auf der Bühne waren gesagt: „Versuch mal so lange wie möglich da oben stehen zu bleiben“ und ich habe das einfach ernst genommen. Weil ich mich nicht selber anschauen kann, habe ich keine Ahnung wie das aussieht, aber es fühlt sich ziemlich gut an. Was ich geliebt habe bei Steve Barton, wie er sich einfach rum geschmissen hat und man sah einen Vampir der Mensch war.

Wie bereitest Du Dich jeden Abend auf die Rolle vor?
Meine Maskenbildnerin macht das so schön, dass ich fast jeden Tag einschlafe. Die Maskenzeit dauert circa eine Stunde. Das ist so schön. Man geht mit so weichen sanften Pinseln um mein Gesicht, ich spiele meine Musik, ich mache die Augen zu und dann bin ich weg. Irgendwann mache ich die Augen wieder auf und ich sehe anders aus.

Wie geht es Dir mit den Vampirzähnen?
Mittlerweile geht es mir damit ganz gut. Es verlangt schon etwas Übung damit zu singen. Man kaut sich schon mehrmals in das Zahnfleisch ein. Bei Dracula habe ich mit viel kleineren Zähnen gesungen, die jetzigen Zähne sind riesig, die sind Hockeyschläger. (lacht)

Wie machst Du das eigentlich mit dem Blut?
Ah, das ist Magie des Theaters. Das verrate ich gar nicht.

Hast Du eine Lieblingsszene?
Mittlerweile ist es Finale eins vor dem Schlosstor. Weil ich da zum ersten und einzigen Mal mit meinem Kollegen Lukas etwas machen kann. Man darf da eigentlich alle Farbe benutzen, mit jeder Farbe malen. Weil er ein bisschen doof und witzig ist, ein bisschen verführerisch und erotisch und ein bisschen finster sein kann. Und dieser Ton am Ende (singt) dauert für mich wie fünf Jahre. Das finde ich cool.

WORDRAP mit „Graf von Krolock“

TANZ DER VAMPIRE, Drew Sarich als Graf von Krolock © VBW, Rolf Bock

TANZ DER VAMPIRE, Drew Sarich als Graf von Krolock © VBW, Rolf Bock

Dein Lieblingsbuch?
Satanische Bibel

Welcher Versuchung kannst Du nicht widerstehen?
Schokolade

Ein Traum den Du Dir gerne erfüllen möchtest?
Ein Tag, ohne Blut zu saugen

Was ist das Verrückteste das Du jemals getan hast?

Baby aufgefressen

Musik, die mich berührt?
Wasserbeschädigte Kirchenorgel

Ein Mensch, den ich gerne kennenlernen würde?
St. Michael

Ein Ort der mich künstlerisch inspiriert?
Die Kirche nebenan

Eine Kindheitserinnerung die Du nie vergessen wirst?
Meine Mutter hat sich in den Finger gestochen, als sie genäht hat und das Blut ist runter getropft und das hat mich fasziniert

Mein Lieblingsplatz in Wien?
(lacht) Das Dach am Stephansdom, wo ich runterschauen kann.

Das letzte Mal so richtig herzhaft lachen musste ich, als…
mich jemand mit Knoblauch beworfen hat.