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TEAM@VBW: Peter Micor

Du bist Leiter der Bühnentechnik im RONACHER. Wie bist du zu den VBW gekommen?
Durch einen Zufall, das ist bereits 22 Jahre her. Ich war KFZ Mechaniker, wollte mich beruflich noch weiterentwickeln und verändern und habe zufällig die Ausschreibung von den VBW gesehen, dass Vorstellungsaushelfer für die Abenddienste gesucht werden. Ich habe mich beworben und so bin ich bei den VBW gelandet. Später habe ich dann eine Fixanstellung bekommen und somit meinen KFZ Beruf aufgegeben und gegen das Theater eingetauscht.
Was waren deine Tätigkeiten als Vorstellungsaushelfer?
Ich war Bühnentechniker im RAIMUND THEATER und somit beim Schnürboden, in der Requisite, bei den Maschinisten und auf der Bühne tätig. Dadurch dass ich auch Springer war und die Abteilungen gewechselt habe, war das ein großer Vorteil für die Zukunft. Der Beruf hat mir so gut gefallen, dass ich bis zum heutigen Tage im Theater geblieben bin. Heute bin ich Leiter der Bühnentechnik im RONACHER.
Was sind deine Aufgaben als Leiter der Bühnentechnik?
Meine Aufgaben sind sehr umfangreich wie die Gesamtkoordinierung tätigen, Abläufe auf der Bühne checken, Probezeiten fixieren oder Mitarbeiterdienste einteilen. Mein Team besteht aus 17 Mitarbeitern. Natürlich habe ich auch Vertreter. Wir sind drei Leiter der Bühnentechnik. Bei den Vorstellungen sind wir immer zu zweit anwesend.
Wie sieht dein täglicher Arbeitsablauf aus?
Ein Arbeitstag ist sehr abwechslungsreich. Bei Probenzeiten und Büroarbeiten habe ich Dienst von 8-17 Uhr. Der Abenddienst beginnt um 17.30 Uhr und endet um ca. 22.30 Uhr.
Was sind deine Aufgaben während der Vorstellung?
Ich bin geprüfter Bühnenmeister und somit für den Ablauf hinter der Bühne verantwortlich, sowie die erste Ansprechperson wenn Probleme oder Störungen auftreten. Der Abendspielleiter, der Inspizient und ich, wir setzen dann die notwendigen Maßnahmen, damit die Vorstellung weiterhin reibungslos ablaufen kann. Das ist einerseits die Überwachung aber auch die tatkräftige Unterstützung hinter der Bühne wie mitheben, mitziehen und mitschieben. Die Musicals sind heutzutage bühnentechnisch sehr umfangreich mit sehr viel Unter- und Obermaschinerie und mit immer größeren Dekorationen. Die Bühnenbilder werden immer schwerer und größer, sodass man auch selber während der Vorstellung mithilft.
Was ist ein Part?
Jeder Part hat seine eigene Abfolge auf der Bühne und jeder Bühnenmitarbeiter weiß welchen Part er machen muss wie zum Beispiel Kulissen hinschieben oder wegräumen. Jeder Techniker muss dann 4-5 Parts kennen und können. Das ist immer eine momentane Arbeit, dazwischen hat man manchmal ein paar Minuten Pause.

Musicalclub Mitglieder haben berichtet, dass in einer Vorstellung die Bibliothek von TANZ DER VAMPIRE stecken geblieben ist. Ist das ein Fall für dich?
Ja genau. Man muss dann immer sehr schnell und spontan entscheiden wie man weiter macht. Ich spreche mich dann mit den Verantwortlichen zusammen und dann wird entschieden. Die Schauspieler und das Orchester werden dann informiert wo und wann eingestiegen wird.
Welche Qualifikationen muss ein Bühnenmeister mit sich bringen?
Auf jeden Fall muss man starke Nerven haben, sowie eine relative „coolness“ und einen klaren Kopf bewahren. Ich vergleiche den Job immer mit einem Kampfpilot, man bekommt einen Adrenalinschub. Man muss in den verschiedensten Situationen wirklich ruhig bleiben. Bühnentechnische Erfahrung ist total wichtig, sowie ein erlernter Handwerksberuf oder eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Es ist sehr wichtig, dass man von dieser Materie viel versteht wie zum Beispiel von der Holz- & Metallverarbeitung. Weiters sollte man technisch gut versiert als auch körperlich fit sein, denn dieser Job verlangt auch eine sehr große körperliche Belastung in den Proben und Aufbauphasen. Da ist man zwei bis drei Monate total eingespannt.
Bildet ihr auch Lehrlinge aus?
Ja, wir bilden Veranstaltungstechnikerlehrlinge aus. Wir wollen ihnen soviel wie möglich zeigen und binden unsere Lehrlinge zum Beispiel bei den regelmäßigen Wartungsarbeiten auf und hinter der Bühne ein. Natürlich ist auch ein Theaterwechsel von Vorteil. Bei den VBW tun wir uns sehr leicht mit unseren zwei Musicalhäusern und dem Opernhaus.

Was macht dir bei deinem Job am meisten Spaß?
Bei den tagtäglichen Überraschungen, wird mir nie fad. Dieser Job ist wirklich eine Abwechslung. Man trifft so viele Leute, lernt viele Kulturen und Sprachen kennen und auch die Zusammenarbeit mit den Künstlern macht Spaß. Technik ist nicht nur Technik. Das ganze Theaterwesen ist Zauber.
Hast du ein Lieblingsstück?
Ja. LÉS MISÉRABLES. Das war damals mein erstes und für mich persönlich auch das schönste Musical. Da hat alles gepasst: die Musik, die Darsteller, die Technik. Es war wirklich ein „Aha-Effekt“, die erste Produktion wo ich als Vorstellungshelfer gestartet bin.
Wie viele Produktionen hast du bühnentechnisch schon betreut?
Das waren schon unzählige Produktionen. Ich war in allen drei Theatern.
Warum glaubst du ist TANZ DER VAMPIRE so erfolgreich?
Das Thema hat eine gewisse Würze, eine gute Kombination mit Tanz, Musik, Dekoration und Mystik das ist eigentlich ein Selbstläufer.
War TANZ DER VAMPIRE bühnentechnisch eine Herausforderung?
Ja eindeutig. Ich war auch bei der ersten Aufführung im RAIMUND THEATER dabei. Es hat sich für uns Bühnentechniker einiges geändert. TANZ DER VAMPIRE und DIE SCHÖNE UND DAS BIEST waren bis jetzt bühnentechnisch die größte Herausforderung.
Hattest du ein Erlebnis auf der Bühne, was dir immer in Erinnerung bleiben wird?
Hoppalas haben wir immer wieder. *lacht* Eine Szene werde ich nie vergessen.
In DIE SCHÖNE UND DAS BIEST gibt es eine Verwandlung am Schluss. Das Biest wird zum Prinz. Hier war eine Konstruktion installiert, wo das Biest am Rücken auf vier Meter Höhe eingehängt wurde. Die Installation wurde gedreht und währenddessen hat sich das Biest die Maske herunter gezerrt und wurde zum schönen Prinzen. So war es geplant. Dann ist plötzlich die Verankerung kaputt gegangen und der Darsteller kopfüber in vier Meter Höhe gehangen. Wir hatten einen Abbruch und der Vorhang ist gefallen. Das Problem war, den Darsteller wieder herunter zu bekommen. Wir haben mit zwei Stehleitern gearbeitet. Der Darsteller hatte ca. 85 kg und schon einen ganz roten Kopf. Es war fast unmöglich ihn da runter zu bekommen. Man musste ihn aus der Verankerung herausheben. Das war einerseits lustig aber andererseits auch nicht lustig. *lacht*
Weißt du schon was mit der neuen Produktion SISTER ACT auf dich zukommen wird?
Ich hab schon gehört, dass SISTER ACT technisch noch mehr Herausforderung als TANZ DER VAMPIRE für uns wird. Technisch wird es ein sehr aufwändiges Stück werden. Ich bin schon gespannt.
Wie wird der Sommer für dich und dein Team bis zur SISTER ACT Premiere?
Wir haben nach dem letzten Spieltag eine Woche Abbau, dann eine Woche Revision. Wenn die Bühne komplett leer ist, werden die Anlagen noch gewartet und gecheckt und 14 Tage später nach der letzten Vorstellung bauen wir schon für Sister Act auf.
Wir wünschen Alles Gute für die nächsten Projekte, vielen Dank für dein Interview.
Das Interview führte das MC-Team.
Eine Stärke, für die man dich bewundert?
Ruhig bleiben in allen Situationen.
Eine Schwäche, die man Dir verzeihen soll?
Ich nehme mir zuviel an.
Mit wem würdest Du gerne einen Abend verbringen?
Freddie Mercury.
Auf deinem Nachtkästchen liegt?
Mein Wecker.
Dein Ausgleich zum Arbeitsalltag?
Familie.
Was wolltest Du schon immer einmal ausprobieren, hast es Dich aber nie getraut?
Singen auf der Bühne.
Darauf bist du stolz?
Auf das wo ich jetzt stehe.
3 Dinge, die Du auf die "einsame Insel" mitnehmen würdest?
Meine Frau, meine Tochter, meinen Sohn.
