Starke Frau mit starker Stimme
Herzliche Gratulation zur tollen Darstellung der Mrs. Danvers in REBECCA. Was fasziniert Sie so an der Rolle bzw. was macht diese perfekt für Sie?
Es ist auf jeden Fall die Musik, die zu meiner Stimmlage optimal passt, und die mysteriöse Figur einer Haushälterin, die sich mehr und mehr in das Leben der De Winters einmischt und keinerlei Veränderung zulässt, die mich so begeistert. Da ihr das nicht gelingt, entwickelt sie sich zu einer strengen, bösen Frau. Natürlich muss Mrs. Danvers aber auch eine starke, schlanke Gestalt sein, womit ich sicher dienen kann.
Spielen Sie prinzipiell lieber die Rolle der Bösewichte oder hat sich das so ergeben?
Das hat sich so ergeben, denn ich habe auch schon genau gegenteilige Charaktere gespielt. Wie gesagt ist es aber die Klangfarbe meiner Stimme, die zu diesen "bösen" Rollen besser passt und mein Äußeres, das für "Prinzessinnen-Rollen" gar nicht geeignet wäre. Insgesamt aber handelt es sich stets um starke Frauen bzw. ältere Charaktere - vielleicht beginnt deswegen meine Karriere auch erst jetzt.
Wie schwierig ist es denn, als Künstler an so eine Rolle zu kommen bzw. welcher Prozess steckt dahinter?
Vorwiegend funktioniert das durch den eigenen Willen. Bis jetzt musste ich immer für jedes Engagement kämpfen bzw. mich selbst durchsetzen. Ich kannte das Buch und den Film "Rebecca" bereits und habe mich ganz regulär zum Casting angemeldet und Runde für Runde überstanden und die Rolle letztendlich bekommen.
Sie sind nicht nur im Musicalbereich, sondern auch in der klassischen und jazzigen Musik zuhause. Welches Genre hat es Ihnen denn besonders angetan?
Meine große Liebe ist die Musik ganz allgemein, egal ob Klassik, Pop oder Jazz. Ich wollte mich nie spezialisieren auf nur eine Richtung, was meinen Weg sicher auch nicht leichter gemacht hat, aber die Vielseitigkeit und das Perfektionieren meiner Stimme auf mehreren Gebieten waren mir einfach immer am Wichtigsten. Zu Beginn meines Studiums bin ich schon mit dem Musical in Berührung gekommen, und es fiel mir immer sehr leicht. Ein erschwerendes Kriterium war hier allerdings das Tanzen, das ich nicht beherrsche. Deshalb sind im Vorhinein bereits viele Rollen für mich nicht infrage gekommen. Durch meine ständige Weiterentwicklung habe ich dann aber wieder zum Musical gefunden und nun bei den Vereinigten Bühnen sein zu dürfen, ist eine ganz besondere Ehre.

Susan Rigvava-Dumas, Wietske van Tongeren und Uwe Kröger in REBECCA
Sie arbeiten u.a. mit Uwe Kröger zusammen, einem ganz Großen im Musicalgenre. Inwiefern können Sie von ihm oder anderen Kollegen noch etwas lernen?
Ich lerne hauptsächlich von meinen Kollegen und schau mir das eine oder andere Detail auch gerne ab. Ich war auch nie schüchtern, die anderen zu fragen und sie um Meinung und Feedback zu bitten. Meine Kollegen sind bestimmt meine besten Lehrer.
Sie gehen zur Arbeit, wenn die anderen von der Arbeit kommen. Wie verbringen Sie denn den Tag?
Ich bin Mutter von zwei Kindern - meine schönste Rolle und mit ihnen verbringe ich natürlich am liebsten meine Freizeit. Darüber hinaus versuche ich natürlich immer, mich weiterzubilden bzw. mein Wissen auch an andere weiterzugeben. Vor der Vorstellung koche ich dann meistens und dann schlüpfe ich langsam aber sicher in die Rolle der Mrs. Danvers.
Was motiviert Sie, jeden Tag die "gleiche" Rolle zu verkörpern oder ist es auch immer anders?
Jede Vorstellung ist für mich eine neue Vorstellung, in die ich Abwechslung und Variation bringen kann und auch möchte. Das Musical lebt jeden Tag aufs Neue - es ist ein wahrer Prozess, die Rolle von Anfang bis zum Ende durchzuspielen.
Was geht Ihnen in der Regel kurz vor der Vorstellung durch den Kopf bzw. wie verbringen Sie die Zeit?
Sobald ich mich schminke, versetze ich mich langsam in die Rolle der Mrs. Danvers. Nach dem Umziehen sage ich vielleicht noch ein paar Textstellen auf, während ich schon die Ouvertüre höre und dann bin ich für die nächsten Stunden auch schon drinnen in der Rolle.
Wie präsent ist das Publikum dabei für Sie? Hört oder sieht man das während der Vorstellung?
Der Darsteller und das Publikum stehen in einem Wechselspiel zueinander. Es ist so präsent wie ich es bin und falls irgendetwas Negatives im Publikum passieren würde, würde ich das sofort mitbekommen. Es kann nur etwas zurückkommen, was man zuerst gegeben hat und glücklicherweise kommt immer das zurück, was ich erhoffe. Dieser Austausch ist sehr spannend für mich.
Sie sind am Nationalfeiertag am Rathausplatz mit Kollegen aufgetreten. Inwiefern ist ein Konzert wie dieses anders als eine Vorstellung im Theater?
Man ist nicht mitten im Bühnenbild und steht auch nicht als Charakter, sondern als Mensch auf einer Konzertbühne. Der Austausch mit den Musikern ist bei Konzerten natürlich stärker möglich. Man kann viel mehr experimentieren und improvisieren und gerade dadurch wird das Konzert interessanter und spannender. Auf der Theaterbühne muss man sich stärker an das Stück halten, und die Geschichte steht im Vordergrund.
Gibt es konkrete Pläne für Konzerte in Wien?
Konkrete Daten stehen nicht fest, aber Konzerte würde ich sehr, sehr gerne geben. Da ich noch neu in der Stadt bin, muss ich die Musikerszene aber erst besser kennen lernen. In Wien gibt es sicher unendlich viele Möglichkeiten, etwas auf die Beine zu stellen.
Was macht Wien denn so einzigartig als Musikstadt und hebt sich von anderen Städten ab?
Ich war vorher in Stuttgart und da besteht ein großer Unterschied, auch in der Qualität der Musiker. Wien ist eben ein spezielles Zentrum des Musicals, hier gibt es auch die jahrelange Tradition. Zu meiner persönlichen Freude muss ich sagen, dass hier viele ehemaligen Kollegen von mir tätig sind, und das ist doppelt schön, dass ich sie alle wieder treffen kann.
Sie sind Holländerin wie so viele Ihrer Musicalkollegen auch. Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass Holländer so zahlreich in der Musicalbranche tätig sind?
Holländer haben eine sehr offene Sprache, also offene Vokale, die in der Musicaltechnik wichtig sind. Holländer sind auch zu allem fähig und verrückte Leute, die sich auf das harte Business Musical einlassen möchten. Genauso gibt es aber viele gute deutsche, österreichische oder schwedische Darsteller. In Frankreich und Spanien wiederum hat das Musical keine große Tradition.
Hört man als Musicaldarsteller auch gerne selber Musicals? Gibt es vielleicht ein Lieblingsstück?
Ich höre natürlich selber gerne Musicals und ich kenne bestimmt auch nicht alles, was es momentan gibt. Manche Geschichten finde ich einfach fantastisch, wie z.B. "Sweeney Todd". Musicals haben sicher eine gute Zukunft, sich auch noch weiter zu etablieren und wichtigere Positionen einzunehmen als heute.
Wenn es eine weitere Verfilmung von Rebecca geben würde, wären Sie mit an Bord?
Ich würde sofort dabei sein als Mrs. Danvers oder prinzipiell gerne einmal einen Film machen.
Castingshows sind überpräsent. Können Sie sich Castingshows für angehende Musicalsänger vorstellen?
Ich glaube, man braucht für diesen Beruf eine richtige Ausbildung. Bei Castingshows werden oft Leute "einfach so geholt" und machen nicht das durch, was man lernen sollte. Ich bevorzuge den klassischen Weg einer guten Ausbildung, denn es ist ein wirklich harter Beruf, und ich fände es schade, wenn die Ausbildung zu kurz käme.
Viele bewundern Musicalsänger. Welche Berufsgruppe bewundern Sie?
Ich habe für mich auf jeden Fall das gewählt, was ich gut kann und auch sehr gerne mache. Berufe, die ich auch schön finde, sind Kinderärzte oder Hebammen - Leute, die sich mit den essentiellen Dingen des Lebens beschäftigen.
Danke für das nette Gespräch.

