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Thomas Borchert im MUSICALCLUB-Gespräch

JEKYLL & HYDE, THEATER AN DER WIEN, 2001 - 2003
JEKYLL & HYDE, THEATER AN DER WIEN, 2001 - 2003

Wie sind Sie zur Hauptrolle in JEKYLL & HYDE gekommen? Haben Sie sich selbst beworben oder ist man auf Sie zugekommen?
Ich habe mich selbst beworben und wie üblich gab es verschiedene Audition-Durchgänge, die ich gemacht habe. Es ist nicht so, wie viele Leute glauben, dass man, wenn man eine gewisse Stufe erreicht hat, nichts mehr zu tun braucht. Alle müssen Auditions machen, so eine Rolle bekommt man nicht hinterher geworfen. Ich wollte sie unbedingt und als ich davon erfahren habe, habe ich mich sofort darum beworben, dann die normalen Auditions mitgemacht und die Rolle bekommen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle von Jekyll und Hyde vorbereitet?
Ich habe natürlich zunächst den Roman von Stevenson gelesen, habe mir alle möglichen Verfilmungen angesehen und mich mit dem Thema und allem rundherum eingehend beschäftigt. Natürlich habe ich mir auch das Stück durchgelesen und die Musik angehört. In die Probenarbeiten bin ich dann relativ frisch rangegangen, d.h. ich mache mir vorher nicht unendlich viele Gedanken, wie ich eine Figur nachher auf der Bühne darstelle, sondern das mache ich dann aus dem Bauch heraus gemeinsam mit dem Regisseur. In Bremen habe ich das Stück nicht gesehen, um mir nicht, sei es auch nur unterbewusst, etwas abzuschauen oder nachzuspielen.

Wie haben Sie die positiven Kritiken aufgenommen?
Ich habe gehofft, dass ein paar gute Kritiken kommen, aber dass es so gut war, hätte ich mir nicht träumen lassen. Es ist seit langem das erste Mal, dass ein Musical, das hier stattfindet, fast nur gute Kritiken bekommt. Ich bin auch sehr froh, dass ich als Schauspieler Lob bekommen habe. Ich habe ja eine Intention, die ich verfolge, ich will etwas rüberbringen, und dass mir dies gelungen ist und in manchen Kritiken genau das drinnsteht, was ich erreichen wollte, das bestätigt mich natürlich.

Haben Sie jetzt alles erreicht oder haben Sie noch eine Traumrolle, die Sie unbedingt spielen wollen?
Alles erreicht? Nein, das wäre ja schlimm mit 35. Es beschränkt sich auch nicht nur auf Musical. Ich hoffe, dass sich irgendwann einmal eine Plattenfirma für meine Sachen wirklich interessiert und ich mit meinen Songs eine breitere Masse erreiche. Es gibt sicherlich noch viele interessante Rollen und es werden auch neue Musicals geschrieben. Ich bin aber gar nicht so versiert im Musical, schaue mir selbst sehr selten Musical an und höre auch kein Musical zu Hause. Ich kenne eigentlich nur die Rollen, die ich selber spiele. Was mich irrsinnig interessieren würde, ist reines Sprechtheater. Da gibt es auch eine Rolle, die ich gerne spielen würde, den Macbeth von Shakespeare. Ich würde auch gern Film oder Fernsehen machen, aber wenn dann nur wirklich spannende und anspruchsvolle Sachen. Ich würde nicht in einem schlechten Film oder in einer billigen Soap mitspielen. Es muss eine gute Rolle sein, es muss ein gutes Buch sein. Jetzt wird bestimmt der eine oder andere sagen, ich bin arrogant. Das hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern damit, dass man weiß, was man will. Das ist genau wie mit meiner Musik, da haben auch viele gesagt, ich soll doch etwas Kommerzielles machen. Nein, entweder ich mache Qualität und das, wozu ich stehen kann oder ich lass es sein. Dann gehe ich lieber den steinigeren Weg. Ich hätte sicher schon längst einen Plattenvertrag haben können, wenn ich Abstriche und Kompromisse gemacht hätte, aber dazu bin ich nicht bereit. Beim Musical bin ich ziemlich fest im Sattel und das erlaubt mir, dass ich nicht alles machen muss. Ich finde Musical gut und kann davon leben und muss nicht noch etwas anderes machen, aber ich kann, wenn ich will.

JEKYLL & HYDE - THEATER AN DER WIEN, 2001 - 2003
JEKYLL & HYDE - THEATER AN DER WIEN, 2001 - 2003

Sie haben ja schon bei ELISABETH hier in Wien gespielt.
Ich war Alternativbesetzung vom Tod und Luccheni, es gab keine Zweitbesetzung, es gab nur mich. Ich habe sogar einmal an einem Abend im ersten Teil die eine und im zweiten Teil die andere Rolle gespielt.

Wie reagieren Sie auf Fans, wenn diese auf Sie zukommen?
Unterschiedlich, je nachdem wie ich gelaunt bin. Ich hoffe, dass die Leute dies auch akzeptieren. Es gibt sehr dreiste Fans und es gibt sehr liebe Fans, die auch respektieren, dass man ein Privatleben hat und dass man manchmal keine Lust hat, eine halbe Stunde am Bühneneingang zu stehen und dies und jenes zu machen. Ich tue es schon, behalte mir aber grundsätzlich vor, nein zu sagen. Die meisten Fans, die wir haben, sind irrsinnig nette, zurückhaltende Leute und es ist schön zu sehen, wie sie sich über ein Stück freuen. Man merkt richtig, dass sie einen unterstützen. Das ist sehr angenehm.

Wie gefällt Ihnen eigentlich Wien?
Ich liebe die Stadt, ich mag die Kaffeehauskultur, ich mag das Stadtbild und ich mag auch die Eigenheiten. Wien hat noch sehr viele Skurrilitäten und ist nicht überladen mit lauter Zukunftswahn. Als ich 1992 nach Wien kam, da war die Stadt noch etwas verschlafen, von Weltstadt konnte man noch nicht reden. Das kann man jetzt schon.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

JEKYLL & HYDE, THEATER AN DER WIEN, 2001 - 2003
JEKYLL & HYDE, THEATER AN DER WIEN, 2001 - 2003

Das Interview führte MC-Mitglied M. Paechnatz aus Wien, erschienen in den Musicalclub News Nr.8, Herbst 2001.